Wenn Sie ein Stück Obsidian neben ein Stück Granit halten, halten Sie zwei Gesteine, die aus nahezu denselben Bestandteilen bestehen – hauptsächlich Siliziumdioxid, mit Spuren von Eisen, Magnesium, Kalzium und Aluminium. Das eine ist rau, kristallin und mit sichtbaren Mineralien gesprenkelt. Das andere ist glatt, glasig und schwarz. Der Unterschied liegt nicht in der Zusammensetzung, sondern im Ursprung. Granit kühlte über Millionen von Jahren langsam tief unter der Erde ab. Obsidian kühlte innerhalb von Stunden an der Erdoberfläche ab.
Obsidian wird als magmatisches Vulkangestein – genauer gesagt, als Vulkanglas – klassifiziert. Es entsteht, wenn silikatreiche Lava ausbricht und so schnell abkühlt, dass sich ihre Atome niemals zu Kristallen anordnen. Dies ordnet es derselben Gesteinsfamilie wie Basalt, Bimsstein und Rhyolith zu, jedoch in einer eigenständigen Unterkategorie: den amorphen (nicht-kristallinen) Vulkangesteinen.
Dieser Leitfaden erläutert den Platz von Obsidian im Gesteinsklassifizierungssystem, warum es technisch gesehen ein Gestein und kein Mineral ist und wie es sich von anderen magmatischen Gesteinen unterscheidet, mit denen es am häufigsten verwechselt wird.
Die kurze Antwort
Obsidian ist ein magmatisches, extrusives (vulkanisches), felsisches Gestein. Jeder dieser Begriffe beschreibt einen spezifischen Aspekt seiner Entstehung:
- Magmatisch – gebildet aus abgekühltem Magma oder Lava (im Gegensatz zu Sedimentgestein, gebildet aus abgelagertem Material, oder metamorphem Gestein, gebildet durch Hitze und Druck, die bestehendes Gestein umwandeln)
- Extrusiv – an oder nahe der Erdoberfläche abgekühlt (im Gegensatz zu intrusiv, das langsam unter der Erde abkühlt)
- Felsisch – reich an Silikat- und Feldspatbestandteilen (im Gegensatz zu mafisch, das reich an Eisen und Magnesium ist)
Es wird auch als Vulkanglas oder Mineraloid klassifiziert – ein natürlich vorkommender Feststoff, dem die kristalline Struktur fehlt, um als Mineral bezeichnet zu werden.
Warum Obsidian ein Gestein ist (und kein Mineral)
In der Geologie ist die Unterscheidung zwischen einem Gestein und einem Mineral präzise:
- Ein Mineral ist ein natürlich vorkommender Feststoff mit einer bestimmten chemischen Zusammensetzung und einer geordneten kristallinen Struktur. Quarz, Feldspat und Glimmer sind Mineralien.
- Ein Gestein ist ein natürlich vorkommender Feststoff, der aus einem oder mehreren Mineralien (oder Mineraloiden) besteht, ohne eine einzige feste Zusammensetzung. Granit ist ein Gestein, das aus Quarz, Feldspat und Glimmer besteht.
Obsidian passt nicht genau in beide Kategorien. Es hat keine kristalline Struktur – seine Atome sind zufällig angeordnet, wie eine eingefrorene Flüssigkeit. Es fehlt ihm eine feste chemische Zusammensetzung (das Verhältnis von Siliziumdioxid zu Eisen und anderen Elementen variiert zwischen den Proben). Aus diesen Gründen klassifizieren einige Geologen es eher als Mineraloid denn als echtes Mineral oder Gestein.
In der Praxis bezeichnen die meisten geologischen Referenzen Obsidian als Gestein – genauer gesagt als Vulkanglas. Der Begriff "Mineraloid" ist technisch korrekt, wird aber außerhalb akademischer Kontexte selten verwendet. Für praktische Zwecke ist Obsidian ein Gestein.
Wo Obsidian im Gesteinsklassifizierungssystem eingeordnet wird
Die drei Gesteinsfamilien
Alle Gesteine fallen je nach Entstehung in drei Kategorien:
Magmatische Gesteine entstehen aus abgekühltem Magma oder Lava. Diese Familie umfasst alles von Tiefengestein wie Granit über Oberflächengestein wie Basalt bis hin zu Vulkanglas wie Obsidian.
Sedimentgesteine entstehen durch die Ansammlung und Verdichtung von Sedimenten – Sand, Muscheln, Pflanzenmaterial, Mineralfragmente. Sandstein, Kalkstein und Schiefer sind Sedimentgesteine. Obsidian ist kein Sedimentgestein.
Metamorphe Gesteine entstehen, wenn bestehende Gesteine durch Hitze und Druck tief unter der Erde umgewandelt werden. Marmor (aus Kalkstein), Schiefer (aus Tonschiefer) und Quarzit (aus Sandstein) sind metamorphe Gesteine. Obsidian ist kein metamorphes Gestein.
Obsidian's Platz: Magmatisch, vulkanisch, felsisch
Innerhalb der magmatischen Familie werden Gesteine weiter nach ihrem Abkühlungsort und ihrer chemischen Zusammensetzung klassifiziert:
Nach Abkühlungsort:
- Intrusiv (plutonisch) – Langsam unter der Erde abgekühlt. Granit ist das klassische Beispiel.
- Extrusiv (vulkanisch) – An oder nahe der Oberfläche abgekühlt. Obsidian, Basalt, Bimsstein und Rhyolith gehören alle hierher.
Nach chemischer Zusammensetzung:
- Felsisch – Hoher Siliziumdioxidanteil (>63% SiO₂), helle Minerale. Granit, Rhyolith und Obsidian sind felsisch.
- Mafisch – Geringer Siliziumdioxidanteil (45-52% SiO₂), dunkle, eisenreiche Minerale. Basalt und Gabbro sind mafisch.
- Intermediär – Zwischen felsisch und mafisch. Andesit und Diorit sind intermediär.
Obsidian ist felsisch und extrusiv – es besteht aus dem gleichen hochsilikathaltigen Magma, das Granit produziert, kühlte aber an der Oberfläche statt tief unter der Erde ab.
Obsidian vs. andere magmatische Gesteine
Das Verständnis der Klassifizierung von Obsidian wird einfacher, wenn man es mit seinen engsten Verwandten vergleicht.
Obsidian vs. Granit. Gleiche Magmaquelle. Granit kühlt langsam unter der Erde ab (intrusiv), was den Atomen Zeit gibt, große, sichtbare Kristalle aus Quarz, Feldspat und Glimmer zu bilden. Obsidian kühlt schnell an der Oberfläche ab (extrusiv), wodurch die Atome in zufälligen Positionen eingefroren werden. Granit ist kristallin; Obsidian ist amorph.
Obsidian vs. Rhyolith. Gleiches Magma, gleiche Oberflächenumgebung. Rhyolith kühlt über Tage bis Monate ab, was die Entwicklung feinkörniger Kristalle ermöglicht. Obsidian kühlt über Stunden ab und verhindert die Kristallisation. Im Feld: Rhyolith sieht rau und zuckerartig aus; Obsidian ist glatt und glasig.
Obsidian vs. Bimsstein. Gleiches Magma, gleiche schnelle Abkühlung. Bimsstein schließt Gasblasen während des Ausbruchs ein, wodurch ein schaumiges, leichtes Gestein entsteht, das so voller Löcher ist, dass es auf Wasser schwimmt. Würde man das Gas aus Bimsstein entfernen und ihn verdichten, hätte man etwas chemisch Ähnliches wie Obsidian.
Obsidian vs. Basalt. Beide sind vulkanisch und extrusiv. Aber Basalt bildet sich aus silikatreichem (mafischem) Magma – es ist dunkler, dichter und kristallin. Basalt ist das häufigste Vulkangestein auf der Erde; Obsidian ist vergleichsweise selten.
| Eigenschaft | Obsidian | Granit | Rhyolith | Bimsstein | Basalt |
|---|---|---|---|---|---|
| Gesteinsart | Magmatisch, vulkanisch | Magmatisch, plutonisch | Magmatisch, vulkanisch | Magmatisch, vulkanisch | Magmatisch, vulkanisch |
| Abkühlung | Schnell (Stunden) | Langsam (Millionen Jahre) | Mittel (Tage-Monate) | Extrem schnell | Schnell (Stunden) |
| Struktur | Amorphes Glas | Grober Kristall | Feiner Kristall | Schaumiges Glas | Feiner Kristall |
| Siliziumdioxidgehalt | 70-75% | 70-75% | 70-75% | 60-75% | 45-52% |
| Farbe | Meist schwarz | Hell (rosa, grau, weiß) | Hell bis mittel | Weiß bis grau | Dunkelgrau bis schwarz |
| Härte (Mohs) | 5-5,5 | 6-7 | 5-6 | 5-6 | 5-7 |
| Dichte | 2,3-2,6 | 2,65-2,75 | 2,4-2,6 | 0,25-0,90 | 2,8-3,0 |
Weitere Informationen zu den physikalischen Eigenschaften von Obsidian und deren Vergleich finden Sie in unserem Leitfaden zu Obsidianfarben.
Die Mineraloid-Debatte
Die Frage „Ist Obsidian ein Mineral?“ taucht häufig auf, und die Antwort offenbart einen interessanten Grenzfall in der geologischen Klassifizierung.
Um ein Mineral zu sein, muss eine Substanz fünf Kriterien erfüllen: Sie muss natürlich vorkommen, fest sein, eine bestimmte chemische Zusammensetzung und eine geordnete kristalline Struktur haben und durch geologische Prozesse entstanden sein. Obsidian erfüllt vier dieser Kriterien. Es scheitert am Kriterium der kristallinen Struktur – seine Atome sind zufällig angeordnet und nicht in einem sich wiederholenden Gitter.
Einige Geologen bezeichnen Obsidian daher als Mineraloid – einen natürlich vorkommenden Feststoff, der die meisten Mineralkriterien erfüllt, aber keine Kristallinität besitzt. Bernstein und Opal sind ebenfalls Mineralloide. Im täglichen Sprachgebrauch wird Obsidian jedoch fast immer als Gestein oder Vulkanglas bezeichnet, nicht als Mineraloid.
Diese Klassifizierung ist in akademischen Kontexten relevant (man würde Obsidian nicht in einem Mineralbestimmungsschlüssel finden), hat aber keine praktischen Auswirkungen darauf, wie der Stein in Schmuck, spirituellen Praktiken oder Sammlungen verwendet wird. Stöbern Sie in unserer schwarzen Obsidian-Kollektion nach geschliffenen Exemplaren.
Weitere Informationen zur Entstehung von Obsidian und warum es nicht kristallisiert, finden Sie in unserem Leitfaden Wie Obsidian entsteht.
Häufig gestellte Fragen
Ist Obsidian ein Sediment-, Magma- oder metamorphes Gestein?
Obsidian ist ein magmatisches Gestein. Es entsteht aus abgekühlter Lava – dem definierenden Merkmal magmatischer Gesteine. Es ist speziell ein extrusives magmatisches Gestein, was bedeutet, dass es an oder nahe der Erdoberfläche und nicht tief unter der Erde abgekühlt ist.
Ist Obsidian ein Mineral oder ein Gestein?
Obsidian wird technisch als Gestein (insbesondere als Vulkanglas) und nicht als Mineral klassifiziert. Ihm fehlt die kristalline Struktur, die für die Mineralklassifizierung erforderlich ist – seine Atome sind zufällig und nicht in einem geordneten Gitter angeordnet. Einige Geologen bezeichnen es als "Mineraloid", um diesen Zwischenstatus widerzuspiegeln.
Ist Obsidian die gleiche Gesteinsart wie Granit?
Obsidian und Granit sind beide magmatische Gesteine mit ähnlichen chemischen Zusammensetzungen (beide sind felsisch – reich an Siliziumdioxid). Der Hauptunterschied liegt in der Abkühlungsrate: Granit kühlte langsam unter der Erde ab (intrusiv/plutonisch) und entwickelte sichtbare Kristalle; Obsidian kühlte schnell an der Oberfläche ab (extrusiv/vulkanisch) und blieb amorphes Glas. Sie bestehen aus demselben Magma, haben aber völlig unterschiedliche Texturen.
Ist Obsidian ein echter Stein?
Ja. Obsidian ist ein natürlich vorkommendes Vulkangestein, das aus abgekühlter Lava entsteht. Es wird nicht künstlich hergestellt oder synthetisiert (obwohl manchmal künstlich gefärbtes Glas als "Obsidian" verkauft wird). Echter Obsidian findet sich in der Nähe von Vulkanstandorten weltweit, mit großen Vorkommen in Mexiko, den westlichen Vereinigten Staaten, Island, Japan und Neuseeland.
Warum wird Obsidian nicht als echtes Mineral angesehen?
Obsidian erfüllt eines der fünf Kriterien für die Mineralklassifizierung nicht: Es besitzt keine geordnete kristalline Struktur. Seine Atome sind in zufälligen Positionen eingefroren – das Ergebnis einer zu schnellen Abkühlung, als dass sich Kristalle bilden könnten. Dies macht es amorph statt kristallin, was es vom Mineralstatus ausschließt. Stattdessen wird es als Vulkanglas oder Mineraloid klassifiziert.

